Zum Inhalt springen →

Der Fluch der bösen Tat

„Das Buch ist das Vermächtnis des großen Journalisten und ‚Welterklärers‘ Peter Scholl-Latour.“

Es gibt viele Gründe, warum ich von heutigen Journalisten wenig halte, einer von ihnen ist Peter Scholl-Latour. Er war bereits eine lebende Legende, als ich mein Volontariat antrat und danach kamen keine „Welterklärerer“ mehr, sondern nur noch „Weltbildvermittler“. Statt zu sagen was ist – das Motto des Spiegel aus einem anderen Zeitalter – erzählt der heutige Journalist die Welt, so wie sie seiner Ansicht nach sein sollte – und scheitert gnadenlos an der Realität.

Der Fluch der bösen Tat ist Peter Scholl-Latour’s letztes Buch aus dem Jahr 2014 und dennoch hochaktuell. Nicht nur, weil es bereits den Ukraine-Krieg vorwegnimmt – der ja strenggenommen bereits mit der Appeasement-Politik Angela Merkels begonnen hat.

In der Hauptsache widmet sich Peter Scholl-Latour allerdings einer Region, die er vielleicht wie kein zweiter Deutscher kannte. Ein profunder Kenner des Nahen und Mittleren Ostens legt pointiert und informativ dar, warum der Westen in dieser Region gescheitert ist und noch immer scheitert.

Exemplarisch dafür ist der Arabische Frühling, der so nie existierte und sein blutiges Finale über ein Jahrzehnt in Syrien hatte. Hinterlassen hat dieses Jahrzehnt mit Syrien und Libyen zwei völlig verwüstete Länder. Doch auch in den anderen arabischen Nationen scheint sich das Bild nach dem „Frühling“ in einen düsteren Winter gewandelt zu haben.

Peter Scholl-Latour wäre wohl nicht überrascht, würde er heute durch Syrien reisen und das Ergebnis westlicher Einmischung dokumentieren: Der neben Ägypten einzig halbwegs säkulare Staat verwandelt sich in ein islamistisches Land, in dem sich so mancher nach den alten Zeiten der Assad-Diktatur zurücksehnen wird.

Der Fluch der bösen Tat zeigt wie wenig der Westen den Orient verstanden hat und wie er auch heute noch – allen Niederlagen zum Trotz – glaubt sein eigenes Weltbild exportieren zu können. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denn nicht einmal die Türkei widersteht der Rückkehr des politischen Islams.

Meine persönliche Lehre aus dem Buch betrifft aber Europa selbst. Sprach man früher vom „kranken Mann am Bosporus“, scheint heute Europa der „kranke Kontinent am Mittelmeer“ zu werden. Das auch hier die Linke den politischen Islam hofiert macht es nicht wirklich besser. Es ist schließlich kein Trost, wenn der Islam, erst einmal an der Macht, zweifellos auch hier die Linke fressen wird, wie er es im Iran getan hat.

Peter Scholl-Latour fehlt, aber wahrscheinlich wäre auch er heute ein „Nazi“, nur weil er die Welt beschreibt, wie sie ist.

Veröffentlicht in Intellektuelles

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert