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Charles III. & Ramadan: Warum er zum Osterfest schwieg

Zusammenfassung: Das Schweigen von König Charles III. zum Osterfest ist mehr als nur ein diplomatisches Versäumnis; es ist das Symptom einer tiefgreifenden Identitätskrise. Wer als „Verteidiger des Glaubens“ tituliert wird, aber aus Angst vor mangelnder Diversität die eigene Tradition verleugnet, untergräbt das Fundament, auf dem sein Thron steht. Die Analyse von Dr. Gavin Ashenden verdeutlicht: Wahre Toleranz benötigt ein festes Eigenbild. Wenn die Windsors diesen Kern verlieren, verlieren sie ihre Daseinsberechtigung. Die Geschichte der Familie ist geprägt von Opportunismus – vom Namenswechsel bis zum Schicksal der Romanows. Sollte die Ära Windsor tatsächlich enden, läge in der Rückbesinnung auf alte Wurzeln, etwa durch das Haus Wittelsbach, eine Ironie, die Tradition und Moderne versöhnen könnte.


Einer der Aufreger in der konservativen Szene rund um Ostern kam, wie so vieles dieser Zeit, aus Großbritannien. Dort hatte sich König Charles entschlossen zwar seinen muslimischen Bürgern eine Botschaft zu Ramadan zu widmen, zum christlichen Osterfest jedoch hörte man nur beredtes Schweigen – offiziell bestätigt. Neben vielen aufgeregten Stimmen, gab es auch ruhige, analytische, wie jene von Dr. Gavin Ashenden (1):

Ashenden war vor seiner Konversion zum Katholizismus Chaplain to the Queen der Anglikanischen Kirche, hat also eine gewissermaßen amtliche Nähe zum britischen Königshaus. Heute lebt er in einem Land, in dem er in gewisser Weise Trendsetter war. Großbritannien gehört zu jenen Ländern, in denen die Katholische Kirche gerade durch die Taufe junger Menschen wächst, während die (linke) Politisierung der Anglikanischen Kirche zu deren weitestgehender Bedeutungslosigkeit führt.

Meine Sympathien für die Anglikaner halten sich in Grenzen. Martin Luther war ein brillanter Denker, der bestehende Missstände der Kirche anprangerte. Irgendwann, und auch hier hat die Politik mancher Landesfürsten ihre Finger im Spiel, wurde er jedoch vom Reformer zum Gründer einer neuen christlichen Konfession. Die Anglikanische Kirche entstand, weil der Papst dem englischen König Henry VIII die Annullierung seiner Ehe verweigerte. (Fairerweise muss man zugunsten des jungen Henry anerkennen, dass er sich von Katharina von Aragon noch scheiden lassen wollte, statt ihr den Kopf abhacken zu lassen.) Ich glaube, es gibt bessere Gründe seine eigene christliche Konfession zu gründen und so betrachte ich das nahende Ende des Anglikanismus nicht gerade mit Schrecken. Der Verlust hält sich in Grenzen. Wenn …

Wenn das Ende der Anglikanischen Kirche im Vereinten Königreich nicht einhergehen würde, mit einem Kampf gegen das Christentum an sich. Noch mehr als in Deutschland, ist es nicht gerade schick sich dort als Christ öffentlich zu bekennen. Unter den Politikern sticht wohl lediglich der von Ashenden genannte Sir Jacob Rees-Mogg (2) heraus, der allerdings ebenfalls Katholik ist. Aber was will man von einer Kirche erwarten, deren weibliches Oberhaupt sich nicht einmal dazu durchringen kann Abtreibungen bis zur Geburt strafrechtlich zu legalisieren. (Was de facto allerdings wenig Auswirkungen in der Realität haben dürfte, da das britische Abtreibungsgesetz ohnehin eines der liberalsten der Welt ist.) 

Jetzt muss man wissen, dass Henry VIII natürlich zumindest so schlau war, sich und seine Nachfolger zum offiziellen Oberhaupt seiner Kirche zu machen, der jeweilige Erzbischof von Canterbury sozusagen nur das kirchliche Oberhaupt ist – oder wie auch immer die weibliche Form des Wortes “Oberhaupt” lautet, ich bin zu faul Google dazu zu fragen. Königin Elizabeth II war sich dieser Rolle immer bewusst, der jetzige König gilt zumindest als spirituell veranlagt. Anders liegt es beim aktuellen Thronfolger William, von dem lange als ein offenes Geheimnis bekannt war, dass er ganz und gar nicht religiös war. (Angesichts des Alters seines Vaters ist man derzeit bemüht diesen Umstand zu relativieren. Doch das sind künftige Probleme.) Heute sitzt Charles auf dem Thron, heute trägt er den Titel des “Verteidiger des Glaubens”. Und hat bereits früher klar gemacht, dass er dabei “Glauben” nicht als rein christlich betrachtet. War er früher Vorreiter des Umweltschutzes, in einer durchaus löblichen Form, ist er heute bemüht woke und divers zu sein. Doch ist das überhaupt schlecht?

Ja, das ist es, denn offenbar hat auch Charles nicht verstanden, dass die Achtung der Anderen die Achtung des eigenen bedingt. Jesus sagte, “liebe deinen nächsten, wie dich selbst” und wies damit auch darauf hin, dass man sich selbst achten können muss, um andere zu achten. Aber scheinbar ist Charles dem Irrtum der Linken aufgesessen, dass man nur Diversität leben kann, wenn man alles erniedrigt, was der eigenen Herkunft entspringt. 

Und dabei geht es mir gar nicht einmal um den Punkt, den Ashenden macht, in dem er auf die Leugnung der Auferstehung Christi im Koran eingeht und damit auf die sehr wohl existierende Unvereinbarkeit von Christentum und Islam zu sprechen kommt. Ich bin mir sicher, auch Ashenden wird einen Moslem deswegen als weniger zu achtenden Menschen betrachten. 

Ich bin aber voll und ganz bei Ashenden, wenn er die Frage aufwirft, was ein “Verteidiger des Glaubens” wert ist, der nicht mehr bereit ist seinen Glauben zu verteidigen. Der nur noch proforma diesen Titel trägt, weil ansonsten sein Thron wackeln würde. 

Ich gestehe, im Herzen bin ich ja ein Freund der Monarchie, aber die englische zeigt schon seit über 100 Jahren, wie schwach diese altehrwürdige Tradition in Händen der falschen Familie ist. Georg V änderte den Namen seiner Familie von Sachsen-Coburg-Gotha in Windsor, weil er während des 1. Weltkrieges mit einem deutschen Namen nicht irritieren wollte. Kurz darauf ließ er seinen Vetter Zar Nikolaus im revolutionären Russland im Stich, weil er fürchtete auch in Großbritannien könne eine Revolution ausbrechen. Als die Zarenfamilie von den Kommunisten brutal abgeschlachtet wurde, wurde auch seine Weste mit Blut befleckt. Was also kann man von den Windsors auch anderes erwarten. Mag Elizabeth II die lobende Ausnahme gewesen sein, man muss Ashenden durchaus zustimmen, wenn er sich am Ende fragt, ob nicht das Ende der Windsors gerechtfertigt wäre. 

Es wäre eine durchaus passende Pointe der Geschichte, würden sich die Briten danach nicht für das Ende der Monarchie entscheiden, sondern sich im Rückgriff auf die Geschichte auf das Haus Stuart beziehen. Diese gibt es zwar nicht mehr, ihre Thronansprüche sind jedoch auf die Wittelsbacher übergegangen. Dessen Oberhaupt Franz von Bayern ist gern katholisch. Und hat sich ebenfalls zu seiner Homosexualität bekannt, dann hätten auch die LGBTQ-Vertreter ihren Willen.

  1. https://ashenden.org/about/
  2. https://www.youtube.com/@jacob_rees_mogg

Veröffentlicht in Glaube Politik & Soziales

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