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Citizen Vigilante ist Kunst – ist so

„Dieser Film ist keine Kunst“, damit ist David Engels Beitrag über den den Film Citizen Vigilante von Uwe Boll in der aktuellen Ausgabe der Tagespost überschrieben. Und um es kurz zu machen, Engels hat Recht, beleuchtet aber einen unwichtigen Nebenaspekt der ganzen Angelegenheit.

Doch der Reihe nach.

Uwe Boll ist für Cineasten so etwas wie die deutsche Wiedergeburt von Ed Wood. Manch einer hat ihm den wenig schmeichelhaften Titel des schlechtesten Regisseurs aller Zeiten verliehen. Und wenn auch nicht alle seine Filme B-Movies der schlechteren Art sind, so ist doch auch an diesem Urteil nicht alles falsch.

Citizen Vigilante ist Bolls neustes Werk. Und vor zwei Wochen beschloss die deutsche FSK den Film gleichzeitig faktisch aus den Verkehr zu ziehen und doch zu einem Riesenerfolg zu machen. Das kleine Gremium gab dem Film nämlich nicht einmal die „ab 18“-Wertung, was seinen Vertrieb in Deutschland praktisch unmöglich macht. Gleichzeitig setzte man damit aber eine kostenlose Werbekampagne in Gang, die Citizen Vigilante in den US-Streamingcharts nach oben schießen ließ und man sich in Deutschland vor Tipps nicht retten konnte, wie man den Film dennoch sehen kann. Und Boll tourt seit dem munter durch die schöne neue Welt der alternativen Medien.

Der Grund für dieses Vorgehen war schnell vermutet (oder gefunden), die Handlung zeigt einen Mann, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt. Das ist sicher nicht neu und man hat es schon hunderte Mal in anderen Filmen gesehen. Nur das in diesem Fall Vergewaltiger mit Migrationshintergrund der Selbstjustiz zum Opfer fallen. Damit ist eines der großen Tabus der heutigen Gesellschaft gebrochen, die Gruppenvergewaltigungen, die seit 2015 das Land überziehen, von denen jeder weiß, aber niemand sprechen soll.

Doch darum geht es David Engels nicht. Der profilierte konservative Intellektuelle geht der Frage nach, ob es sich bei Citizen Vigilante um Kunst handelt und bringt damit die These in den Raum, dass bei einer Verneinung der Film nicht von Privileg der Kunstfreiheit profitieren sollte. Dabei geht Engels nicht gerade fair vor, zieht der doch zum Vergleich Todd Phillips‘ Joker (2019) heran. Ein Vergleich, den Uwe Boll verlieren muss – und eben, hier stimme ich mit Engels überein, grandios verliert.

Das alles stellte eine uralte Frage in den Raum: Was ist Kunst?

Wenn ich ehrlich bin, dass wenigste, was sich heute Kunst nennt, erscheint mir wie Kunst. Mal suhlt man sich in Farbe, mal in Schweineblut. Mal klebt man eine Banane an die Wand, mal einen leeren Raum ohne Wände. Kunst ist heute wie die Kleider des Kaisers, keiner versteht sie, aber weil es niemand zugeben will, bewundert er sie. Das ist selbst bei dem ein oder anderen Film in Programmkinos so – und auch bei Blockbustern.

Ich halte diese Definition für zu eng gefasst, auch die Definition, die der von mir hochgeschätzte David Engels hier vertritt.

Kunst ist für mich etwas, was den Menschen bewegt, was ihn beeinflusst oder einfach nur unterhält.

Und aus diesem Grund ist auch Citizen Vigilante für mich Kunst. Vielleicht nicht die große Kunst, die ihre Macher überlebt, aber doch die kleine, von der Menschen unterhalten werden. Deshalb kann sich auch Uwe Boll Film Kunst. Vielleicht nicht die große, die ihre Macher überlebt, aber zumindest die kleine, die die Menschen bewegt. Und damit ist das Vorgehen der FSK nichts anderes als der Versuch der Zensur – einer Zensur, die angeblich in Deutschland nicht stattfindet.

Veröffentlicht in Intellektuelles

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